Im Herbst 2020 rief mich eine verzweifelte Mama an. Ihr Sohn, 9 Jahre, ich nenne ihn hier Stefan, klage seit einigen Wochen fast täglich über Kopfschmerzen, manchmal auch über Bauchschmerzen und Druck auf der Lunge. Die Beschwerden treten auffallend abends auf. Die Mutter nahm an, dass der Schulstress ihrem Jungen zu schaffen mache. Seit September besuchte er die 3. Klasse. Diese wurde neu aufgestellt. Stefan musste sich mit neuen Schulkameraden und einer neuen Lehrerein auseinandersetzen. Die Mutter suchte eine dauerhafte Lösung am Ursprung des Problems. Sie wandte sich deshalb an mich.

Wird die Ursache einer Blockade nicht bearbeitet, können über kurz oder lang auch körperliche Symptome auftreten – so wie bei Stefan die Kopfschmerzen. Körperliche oder infektiöse Ursachen konnten vorher ausgeschlossen werden.

Kurz darauf kamen Mutter, Vater und Sohn in meine Praxis. Zu Beginn der Beratungsstunde nehme ich zuerst alle Themen, die mir Klient und Eltern sagen, in einer Liste auf. Das können Sorgen, Symptome, Ereignisse, ect. sein. Das ist mir wichtig, da so in einem Termin alles Beachtung und Bearbeitung finden kann.

Die Liste von Stefan beinhaltete: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Druck auf der Lunge, neuer Klassenverband, neue Lehrerin, Schulbus, Hausaufgaben, Mathe, mit Freunden spielen, Gitarre. Von dieser Liste ermittle ich die Priorität - das, was für den heutigen Termin am wichtigsten ist. Durch eine Tendenzermittlung kann ich zudem den Themen einen Stellenwert zuordnen, also wie groß die Belastung ist.

Priorität waren bei Stefan, die Kopfschmerzen mit einer sehr hohen Belastung, gefolgt von Bauchschmerzen, Atmen und Mathe. Die anderen Themen waren im verträglichen Rahmen. In der weiteren Analyse stellte sich heraus, dass Stefan im „Planen“ festhängt. Er versucht immer, es anderen recht zu machen, ohne an seine eigenen Bedürfnisse zu denken. Stefan hatte ein Ungleichgewicht auf der Säugetierstufe mit einer emotionalen Überbelastung. Außerdem zeigte sich eine blockierte Rechts-Links-Verknüpfung und eine negative Erfahrung, als der Junge 8 Jahre alt war. Welches Ereignis dafür zuständig war, konnte er in der Praxisstunde jedoch nicht benennen. Auch die Eltern waren zu diesem Zeitpunkt ratlos.

Die Übungen zur Säugetierstufe wurden von Stefan sehr gut und bereitwillig durchgeführt. Er durfte sich in die Lage des kleinen Tigers hineinversetzen, welches er sich selbst vorab ausgesucht hatte. Bereits danach spürte ich bei ihm eine deutliche, stabilere Körperspannung. Er war sichtlich „gewachsen“. Ein positiver Leitsatz, den ich ihn mit auf den Weg gab, sprach ihn und seine Eltern sichtlich an und half ihm zusätzlich.

Die Themenliste vom Anfang der Stunde prüfe ich zum Schluss noch einmal durch. Das Ergebnis zeigte bei Stefan durchweg belastungsfreie Tendenzen bei allen Themen! Es ist oft so, dass sich alle Themen, die in einer Beratungsstunde angesprochen werden, am Ende der Einheit sichtlich verbessert haben. So auch bei Stefan.

Am Ende der Praxisstunde, ging Stefan selbstbewusst und mit einer Hausaufgabe, nämlich „seine Übungen“ zu Hause weiter zu vertiefen aus meiner Praxis. Besonders Stefans Mama war sehr glücklich und stimmte den Hinweisen, die ich ihr und ihrem Mann über ihren Sohn geben konnte zu. Sie war sehr zuversichtlich, dass die Gründe für Stefans Beschwerden gefunden und bearbeitet wurden.

Gleich am Abend bekam ich folgende Nachricht von ihr: „Heute hat Stefan am Abend richtig Hunger gehabt. Oft konnte er abends gar nichts essen. Ich glaube, das tat ihm richtig gut. Und uns auch. … Du hast genau seine Punkte getroffen – Planen, Planen, Planen und anderen immer gefallen. … Uns ist jetzt auch völlig klargeworden, was Stefan so belastet hat. Als er 8 Jahre alt war gab es einen Konflikt zum Schlafengehen. Wir haben damals gedacht, jetzt müssen wir uns durchsetzen, damit Stefan endlich alleine schläft. Stefan hat geschrien und geweint. Diese Nacht war für alle sehr schlimm. Am schlimmsten aber für Stefan, da wir ihn in seiner Verzweiflung auch noch weggeschickt haben. Am Morgen hatte er ein schlechtes Gewissen. Wir dachten, das Thema sei ausgestanden. Aber vermutlich hatte er das Ereignis die ganze Zeit lang nur verdrängt. Und dann kamen die Kopfschmerzen. Ich glaube, er war damals total verzweifelt. Im Nachhinein ist mir das völlig klar.“

Eine Woche später schrieb mir die Mama:Stefan geht es richtig gut. Wir haben ihm nochmal versichert, dass er jederzeit zu uns kommen darf. Er soll sich Ruhephasen gönnen und muss es nicht immer allen recht machen. Er wirkt sehr erleichtert. Und seit unserem Termin hatte Stefan nicht einmal mehr Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen gehabt, nichts. Es war definitiv ein Erfolg! Danke.“